Neuigkeiten

Gerechte und faire Lösungen? Umgang mit Unrechtskontexten

Unter der Mitwirkung ausgewiesener Expertinnen und Experten aus mehreren europäischen Ländern veröffentlicht das Deutsche Optische Museum am 21. Mai 2026 unter dem Titel „Gerechte und faire Lösungen? Umgang mit Unrechtskontexten“ erstmals einen Sammelband zu dieser Thematik. Auf knapp über 350 Seiten werden aktuelle Forschungsfälle zum Umgang mit Objekten aus verschiedenen Unrechts- und Entzugskontexten präsentiert sowie wichtige theoretische Grundlagen und Rahmenbedingungen zur Umsetzung „gerechter und fairer Lösungen“ aufgezeigt.

Zum Inhalt des neuen Bandes

Wann ist ein Objekt zu restituieren und wann sind „gerechte und faire Lösungen“ zu verhandeln? Wie sollte man hierbei vorgehen und welche bisherigen Erfahrungen oder exemplarischen Musterfälle liegen hierzu bereits vor? Mehr als ein Vierteljahrhundert nach der „Washington Conference on Holocaust-Era Assets“ wird in Deutschland und in anderen europäischen Ländern weiter intensiv darüber diskutiert, was die Provenienzforschung leisten kann, wie sie sich fortentwickelt und welche Reformprozesse notwendig erscheinen. Namentlich im Bereich der Aufarbeitung des Kulturgutentzugs im Nationalsozialismus sind wichtige Reformprozesse in Gang gesetzt worden. Dazu zählen insbesondere die Anpassung des Bewertungsrahmens für die Restitution von NS-Raubgut und die Ablösung der seit 2003 bestehenden „Beratenden Kommission NS-Raubgut“ durch die im Dezember 2025 eingerichtete „Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut“. 

Zum Umgang mit Objekten aus kolonialen Kontexten sowie zum Kulturgutentzug in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) werden ebenfalls intensive Debatten geführt und Forderungen nach einheitlicheren und klareren Regelungen zur Aushandlung „gerechter und fairer Lösungen“ erhoben. Die im Oktober 2025 verabschiedeten „Gemeinsamen Leitlinien zum Umgang mit Sammlungsgut und menschlichen Überresten aus kolonialen Kontexten“ stellen einen Meilenstein dar. Auch die ab 2026 startende Förderung objektbezogener Provenienzforschung zu Kulturgutentziehungen in der SBZ und der DDR durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste ist eine bedeutsame Entwicklung. Durch die neuen Rahmenbedingungen sollen Restitutions- und Ausgleichsverhandlungen auf ein tragfähiges Fundament gestellt und beschleunigt werden. Neuen Methodiken und exemplarischen Lösungsstrategien zur Umsetzung „gerechter und fairer Lösungen“ wird damit der Weg bereitet. 

Zu den aktuellen Dynamiken und den in den einzelnen Kontexten der Provenienzforschung geführten Diskussionen über angemessene „gerechte und faire Lösungen“ organisierte das Deutsche Optische Museum (D.O.M.) in Jena bereits im Oktober 2024 die dritte internationale Fachtagung Provenienzforschung zu „Technischem Kulturgut“.  Namhafte Provenienzforschende aus mehreren europäischen Ländern sowie an den Reformprozessen in Deutschland unmittelbar beteiligte Juristinnen und Juristen – präsentierten aktuelle Fälle aus verschiedenen Unrechtskontexten und diskutierten die rechtlichen Grundlagen und praktischen Wege zur Umsetzung „gerechter und fairer Lösungen“. 

Die auf der Tagung präsentierten Vorträge und die damit verbundenen Diskussionen bilden die Grundlage für die in diesem Band erfolgte Zusammenstellung.  Die einzelnen Kapitel des Bandes verdeutlichen dabei das Ausmaß und die Diversität der verschiedenen Objektgruppen aus unterschiedlichen Entzugs- und Unrechtskontexten, die sich unter dem Begriff „Technisches Kulturgut“ zusammenfassen lassen. Jedes Kapitel wird durch Beiträge zu den theoretischen Grundlagen und rechtlichen Rahmenbedingungen des jeweiligen Forschungsfeldes eingeführt, danach schließen Beiträge zu Fallbeispielen aus vielfach erst kürzlich abgeschlossenen oder auch noch laufenden an. Anhand von Best-Practice-Beispielen bei der Aufarbeitung von Kulturgutentzug, der Durchführung von Restitutionen bzw. verschiedenen Wegen der praktischen Umsetzung von „gerechten und fairen Lösungen“ sollen kulturelle Einrichtungen wichtige Hilfestellungen erhalten und zur Fortführung eines konstruktiven Dialogs angeregt werden.

Das Buch ist als dritter Band der Reihe Technisches Kulturgut ab Ende Mai 2026 zum Ladenpreis von 39,90 € (zzgl. Versand) direkt beim Deutschen Optischen Museum oder im Handel bestellbar.