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Ein Portrait zieht einen besonderen Besuch im D.O.M. nach sich
Im Zuge der Restaurierung eines großformatigen Portraitgemäldes des Berliner Malers Hugo Vogel (1855–1934) in der Sammlung des Deutschen Optischen Museums (D.O.M.) rückte dieses in den Blickpunkt der Forschung. Die recherchierten Hintergründe der Darstellung sorgten kürzlich in den Depoträumen des D.O.M. für ein besonderes Zusammentreffen: Im Jahr 1932 beauftragte der bedeutende Brillensammler und Leiter der Augenklinik an der Berliner Charité, Richard Greeff (1862–1938), ein Portraitgemälde von sich selbst. Symbolisch mit einer Brille in der Hand dargestellt, sollte das Gemälde ihn in der Wahrnehmung der Nachwelt als passionierten Sammler und Forscher zur Entwicklungsgeschichte der Brille ein Denkmal setzen. Im Gebäude der Jenaer Fachschule für Augenoptik hängend, sollte es nach seinem Tod an dessen Wirken im Dienste der Augenoptik erinnern.
Seit 1921 unterstützte er die Gründung und den Aufbau des Optischen Museums in Jena, indem er Teile seiner reichhaltigen Brillensammlung, die er in Teilen Europas, Chinas und Indiens zusammengetragen hatte, zur Verfügung stellte. Der Verkauf und die schrittweise Übersendung seiner Sammlung nach Jena fielen Richard Greeff nicht leicht. Sie waren jedoch mit dem Vorhaben verbunden, in Jena, dem Zentrum der modernen Optikforschung, eine zentrale Sammel-, Forschungs- und Lehrstätte zur Entwicklungsgeschichte des optischen Instrumentenbaus zu begründen. Optikgeschichtlich wertvolle Objekte von Bedeutung für Kultur, Wissenschaft und Technik sollten hier ihren Platz finden, instandgesetzt, geordnet, katalogisiert und schließlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse zur Entwicklungsgeschichte der Brille, des Mikroskops und des Fernrohrs sollten aufklären, die Forschung anregen und das Wissen über die Funktionsweise optischer Instrumente und physikalischer Gesetze vertiefen.
Zur Verwirklichung dieses Vorhabens sollte nicht nur Richard Greeffs Sammlung im Optischen Museum in Jena einen würdigen Platz finden, sondern auch das von ihm in Auftrag gegebene Portrait. Dieser Vision folgend vermachte Greeff bereits einige Jahre vor seinem Tod das Gemälde dem Optischen Museum in Jena testamentarisch. Zur Erstellung des Kunstwerkes beauftragte Greeff den Berliner Maler Hugo Vogel. Als angesehener akademischer Maler hatte Hugo Vogel zeitweise die Professur für Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Berlin inne. Im Jahr 1900 erhielt er auf der Großen Berliner Kunstausstellung die Große Goldmedaille. Beide verband jedoch mehr: Wie Sören Groß, Provenienzforscher am D.O.M., rekonstruierte, sind die Nachfahren Hugo Vogels im Besitz weiterer Werke des Malers. Darunter befindet sich auch ein bereits im Jahr 1897 angefertigtes Portraitgemälde Richard Greeffs, das ihn im Alter von 35 Jahren zeigt.
Wie gelangte Greeffs früheres Portraitgemälde nun in das Eigentum der Nachfahren Hugo Vogels?
Mithilfe genealogischer Datenbanken konnte schließlich entschlüsselt werden, dass Richard Greeffs Schwester, Maria Vogel (geb. Greeff, 1862–1944), im Jahr 1885 Hugo Vogel heiratete. Der bekannte Maler war demnach zugleich Greeffs Schwager. Aufgrund der kinderlosen Ehe Richard Greeffs ging dessen Erbe schließlich an die Nachfahren seiner Schwester über. Dieser Spur folgend konnte der Urgroßneffe Richard Greeffs, Hugo Weihe, der heute in Manhattan (New York City) lebt, ausfindig gemacht werden. Hugo Weihe ist zugleich der Urgroßenkel Hugo Vogels, dessen Vornamen er nicht zufällig trägt. Am 15. Juli 2026 besuchte Hugo Weihe das D.O.M. Im gemeinsamen Austausch traten dabei zur Freude des D.O.M. weitere bislang unbekannte historische Fotos und Informationen zu Richard Greeff und zum Maler Hugo Vogel zutage. Diese ermöglichen nun u. a. neue Einblicke in die Sammeltätigkeiten Richard Greeffs und in die Bezugsquellen seiner Brillensammlung. Einige der historischen Brillen aus Richard Greeffs Sammlung sowie sein Portrait, das 2024 durch eine Förderung der Thüringer Staatskanzlei von der Diplom-Restauratorin Antje Reichenbach restauriert wurde, werden ab 2028 in der neu eröffnenden Dauerausstellung des D.O.M. prominent zu sehen sein.